Teil 2: Erkenntnis
Teil 2 des BEST-Prinzips: Wissen ist nicht dasselbe wie Erkenntnis
Markus Burkhart
2/27/20269 min read


Erkenntnis
Im 1. Teil sahen wir, wie Paulus durch die Begegnung mit Gott zum Glauben an Jesus Christus fand. Es blieb nicht bei dieser einen Begegnung. Paulus lebte von da an in einer engen Beziehung zu Jesus Christus. Ca. 30 Jahre später ist Paulus im Gefängnis in Rom - wegen seinem Glauben an Jesus Christus. Aus der Gefangenschaft schreibt Paulus Briefe an die Epheser, die Philipper, die Kolosser und an Philemon. Paulus schreibt, was ihm die Beziehung zu Jesus Christus bedeutet, in Philipper 3,7-12 (NGÜ/MB):
Genau die Dinge, die ich damals für einen Gewinn hielt, haben mir – wenn ich es von Christus her ansehe – nichts als Verlust gebracht. 8 Mehr noch: Jesus Christus, meinen Herrn, zu erkennen ist etwas so unüberbietbar Grosses, dass ich, wenn ich mich auf irgendetwas anderes verlassen würde, nur verlieren könnte. Seinetwegen habe ich allem, was mir früher ein Gewinn zu sein schien, den Rücken gekehrt; es ist in meinen Augen nichts anderes als Müll. Denn der Gewinn, nach dem ich strebe, ist Christus … 10 um ihn und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden zu erkennen, indem ich seinem Tod gleichgestaltet werde. … 12 Nicht, dass ich es schon ergriffen habe oder schon vollkommen bin. Ich setze jedoch alles daran, es zu ergreifen, weil ich auch von Christus Jesus ergriffen bin.
Wir befassen uns nachher noch mit diesem Abschnitt. Wir notieren uns: es kommt 2x das Wort "erkennen" vor und "ich bin ergriffen".
Wissen und Erkenntnis
Wissen und Erkenntnis sind nicht dasselbe. Oft sind wir uns nicht bewusst, dass blosses Wissen uns zwar zeigt, wie etwas ist oder wie etwas zu tun ist oder wie wir ein Ziel erreichen. Wissen zeigt uns z.B., was alles in der Bibel steht und wer Gott ist.
Wissen | Fakten und Richtigkeiten
Wissen zeigt uns die Welt der Fakten. Fakten gelangen als Informationen in mein Gehirn und vermehren mein Wissen. „Es lässt mich kalt.“ Meine Art zu leben und mein Charakter werden nicht oder kaum verändert. Ein Satz, der klar ausdrücjt, was ich meine, ist folgender:
Wenn Wissen Kraft hätte, würde kein Arzt rauchen!
Wissen ist interessant - hat jedoch keine oder nur wenig Kraft. Wissen, Information ist wie ein Einstieg in eine neue Welt. Wenn du einiges über die Dimensionen unseres Sonnensystems, unserer Galaxie oder des Universums weisst, kann das der Einstieg sein, dass du zu staunen beginnst und den Schöpfer um so mehr verehrst. Andere nehmen das einfach hin. Wieder andere sind zwar beeindruckt, doch glauben sie nicht, dass Gott das schuf. Ihr Leben ändert sich nicht.
Wissen kann der Beginn einer Einsicht sein. Und Einsicht kann der Beginn einer Veränderung sein.
Wann hört ein Arzt auf zu rauchen?
Wenn er sein Wissen an sich heran lässt. Wenn er eine Überzeugung wachsen lässt. Wenn er seine Überzeugung nährt.
Süchte sind ein eigenes Thema. Da braucht es tiefgehende Einsicht in das, was in uns abgeht. Wer an der Oberfläche bleibt, wird nicht frei. Es braucht eine Begegnung mit der Realität, die mich betroffen macht. Sonst siegt weiterhin die Sucht.
Bildlicher Vergleich: Du gehst ins Hallenbad.
Wissen: Du weisst, wie du zum Hallenbad kommst, du weisst, wie du in das Hallenbad rein kommst. Du weisst, wie man schwimmt.
Erkenntnis: Du gehst wirklich rein und tauchst ein im Wasser und schwimmst. Du erlebst das Wasser.
Paulus und seine Begegnung mit Gott
Die Begegnung mit Gott, die Begegnung mit dem Messias (Apostelgeschichte 9,1-9) ist der Ausgangspunkt, der das Leben von Paulus radikal veränderte. Paulus bekam eine völlig neue Sicht über Gott, über die die Welt und über sich selbst. Und: Paulus bekam ein neues Feuer!
Erkenntnis ist mehr als blosses Wissen.
Eines unserer Probleme sehe ich darin, dass wir nicht unterscheiden zwischen „Wissen“ und „Erkenntnis“.
Erkennen, Wahrheit und Beziehung
Wenn ich etwas erkenne, wird mein Inneres, mein Herz erfasst. Ich werde als ganze Person betroffen. Die Realität, die Wahrheit dringt in mein Herz, verändert mich als Person und prägt die Art, wie ich lebe. Daraus entsteht Frucht.
Beispiel: Gott ist hier. Gott ist anwesend.
Gott ist gerade in diesem Moment ganz nahe bei dir.
Empfindest du es oder weisst du es bloss? Berührt dich das? Löst das etwas in dir aus?
Weisst du das einfach oder berührt es dein Herz?
Für mich bringt das Lied: Gott ist gegenwärtig, das sehr gut zum Ausdruck (1. Strophe):
"Gott ist gegenwärtig. Lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten.
Gott ist in der Mitte. Alles in uns schweige und sich innigst vor ihm beuge."
Wir brauchen Erkenntnis!
Paulus hat Jesus Christus erkannt. Er wurde als ganze Person davon erfasst. Das war Lebens-verändernd. Paulus nahm nicht bloss Wissen auf über Jesus Christus.
In einer theologischen Ausbildung wird viel Wissen vermittelt. Ich habe in meinem Studium sehr viele Vorlesungen gehört, X-tausend Seiten gelesen, hunderte von Bibelversen auswendig gelernt, griechische und hebräische Vokabeln gepaukt und manche Arbeiten geschrieben. Das ist ok. Doch vergessen wir nicht: all dieses Wissen bringt mich nicht einfach näher zu Gott. Dieses Wissen allein entzündet nicht mein Herz für Gott und verändert nicht meinen Charakter ins Bild Jesu.
Es kann sein, dass ein Kind mehr von Gott erkannt hat als ein Theologie-Professor, der zwar immens viel weiss, jedoch keine Herzensbeziehung zu Gott hat.
Bei dir ist das auch so. Du hast sicher schon viele eindrücklich Predigten gehört, viele gute Bücher gelesen und warst an inspirierenden Veranstaltungen und Kongressen. Das allein bringt dich jedoch nicht näher zu Gott. Das allein verändert noch nicht deinen Charakter ins Bild Jesu.
Du brauchst Erkenntnis. Erkenntnis ist, wenn etwas bei dir einschlägt. Wenn es dich trifft im Herzen. Wenn dir ein Licht aufgeht. Wenn der Groschen fällt. Du spürst das sofort. Es beginnt in dir zu brennen: Feuer!
In Lukas 24,32 haben wir ein Beispiel (Emmaus-Jünger): "Sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, wie er (Jesus) auf dem Weg zu uns redete und wie er uns die Schriften öffnete?"
Wir brauchen eine Lebens-verändernde Kraft - Wissen allein reicht nicht. Wir brauchen die Begegnung mit Gott und das Erfasst-Werden durch den Heiligen Geist - und das ist Erkenntnis!
ERKENNTNIS ist Wissen mit Betroffenheit und Feuer.
Wissen kannst du aus dem Internet runterladen. Erkenntnis nicht.
Nur Emotion statt Wissen ist keine gute Alternative.
Für viele Menschen sind Fakten und Informationen blosse Theorie. Sie hören es, lesen es - aber es löst nichts in ihnen aus. Einige denken, Wissen sei so oder so nutzlos. Es gibt einen Spruch, der heisst so: "Wissen ist Macht. Nicht-Wissen macht nichts."
Wer auf Informationen, Fakten und Wissen verzichtet, ist blind und lebt gefährlich. Es ist gut, zu wissen, was geschieht, wenn wir in eine Steckdose greifen. Es ist gut zu wissen, wie die Verkehrsregeln sind - es kann unser Leben bewahren. Es ist gut, zu wissen, was unsere Worte bedeuten - sonst könnten wir nicht miteinander sprechen. Es ist gut zu wissen, was wahr ist und was falsch - sonst könnte uns jeder an der Nase herumführen.
Auf Wissen zu verzichten und nur noch auf Emotionen zu bauen, ist keine gute Alternative. Wem das Wissen fehlt, ist manipulierbar. Wenn du kein Wissen hast und die Fakten nicht kennst, bist du einem rhetorisch ausgezeichneten Redner, der die Emotionen gekonnt zum Klingen bringt, sozusagen hilflos ausgeliefert.
Deshalb: Wissen ist gut. Doch Wissen ist nicht alles. Wissen ist zwar hilfreich, hat jedoch keine Kraft. Dafür brauchen wir Erkenntnis. Und die bekommen wir aus der BEGEGNUNG mit Gott und seinem Wort (siehe den 1. Teil des BEST-Prinzips).
Erkenntnis ist Beziehung
Oben habe ich geschrieben: ERKENNTNIS ist Wissen mit Betroffenheit und Feuer.
ERKENNTNIS lässt mich nicht kalt. ERKENNTNIS verändert mich als Person und setzt mich in Bewegung. ERKENNTNIS ist Beziehung - eine intime Beziehung. In der Bibel wird das Wort "Erkennen" auch für Geschlechtsverkehr verwendet. Die geschlechtliche Vereinigung ist ein tiefgehende Begegnung.
• 1. Mose 4,1a: "Adam erkannte seine Frau Eva, und sie wurde schwanger…"
• Erkenntnis ist fruchtbar. Wissen kann völlig wirkungslos sein.
Wissen ohne Erkenntnis kein Glaube
Wissen ist noch kein Glaube. Wenn du weisst, dass Gott existiert, heisst das noch nicht, dass du im Glauben an Gott lebst. "Glauben", wie die Bibel es versteht, beinhaltet Wissen, Überzeugung und ein entsprechendes Handeln. Das Extrembeispiel ist Satan. Er weiss, dass es Gott gibt. Er handelt jedoch nicht nach Gottes Willen sondern kämpft dagegen. Er lebt im Unglauben (trotz korrektem Wissen!).
An Gott glauben, wie die Bibel es sagt, heisst eine Beziehung mit Gott haben.
Gott erkennen bedeutet, eine (rettende) Beziehung mit Gott zu haben.
Johannes 17,3: Das ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.
Wissen über Gott kannst du dir erarbeiten.
Erkenntnis ist Offenbarung des Heiligen Geistes.
Epheser 1,17.18: Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, um ihn zu erkennen. 18 Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt.
ERKENNTNIS ist Wissen mit Betroffenheit und Feuer: Paulus
Wenden wir uns erneut Paulus zu. Im 1. Teil des BEST-Prinzips haben wir gesehen, wie Paulus Jesus Christus begegnet ist (Apostelgeschichte 9,1-9). Lesen wir noch einmal die Verse in Philipper 3 und sehen wir, wie es mit Paulus weiterging:
Philipper 3,7-8.10.12 (NGÜ/MB): Genau die Dinge, die ich damals für einen Gewinn hielt, haben mir – wenn ich es von Christus her ansehe – nichts als Verlust gebracht. 8 Mehr noch: Jesus Christus, meinen Herrn, zu erkennen ist etwas so unüberbietbar Grosses, dass ich, wenn ich mich auf irgendetwas anderes verlassen würde, nur verlieren könnte. Seinetwegen habe ich allem, was mir früher ein Gewinn zu sein schien, den Rücken gekehrt; es ist in meinen Augen nichts anderes als Müll.
Denn der Gewinn, nach dem ich strebe, ist Christus … 10 um ihn und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden zu erkennen, indem ich seinem Tod gleichgestaltet werde. 12 Nicht, dass ich es schon ergriffen habe oder schon vollkommen bin. Ich setze jedoch alles daran, es zu ergreifen, weil ich auch von Christus Jesus ergriffen bin.
Wir könnten es nun auch so ausdrücken: ERKENNTNIS ist Wissen mit Ergriffenheit und Feuer. Paulus muss nicht angetrieben werden. Er ist von Jesus erfasst. Niemand bracht Paulus zu schieben und zu stossen. „Es“ zieht ihn von vorne! Paulus hat alles aufgegeben für IHN! Er hat nur noch 1 Ziel! Paulus ist völlig von IHM erfasst! Das Herz von Paulus brennt – und wie! "…um IHN, die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden zu erkennen": Paulus hat eine Lebens-verändernde Weite, Höhe und Tiefe an Erkenntnis (vgl. Epheser 3,18.19).
IHN erkennen bedeutet: Erfasst-werden von Jesus Christus mit "Haut und Haaren"!
Seine Auferstehungskraft erkennen heisst: Die Macht und Vollmacht von Jesus Christus erleben.
Die Gemeinschaft seiner Leiden bedeutet: Eintauchen in die Leidensgemeinschaft mit Jesus Christus: Mit-Leiden und Mit-Kämpfen (2. Timotheus 2,3-5).
Wissen macht dich zum Zuschauer.
Hast du von Gott gewirkte Erkenntnis, dann bist du wirklich dabei!
Wer Gott erkennt, erkennt auch sich selbst
Hiob ist ein weiteres Beispiel einer biblischen Person, die durch BEGEGNUNG und ERKENNTNIS von Gott verändert wurde. Hiob erlebt eine neue Tiefe der Gottes-Erkenntnis - und dabei erkennt er auch sich selbst und sein "Geschwätz".
Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört,
jetzt aber hat mein Auge dich gesehen.
Darum verwerfe ich mein Geschwätz
und bereue in Staub und Asche.
Hiob 42,5.6
Wir spüren einem Menschen an, ob er Gott erkannt hat oder nicht.
Wer Gott wirklich erkennt, erkennt auch sich selbst (vgl. Jesaja 6,1-7). Anders formuliert: Wer keine Sündenerkenntnis hat, hat auch Gott nicht wirklich erkannt bzw. hat keine nahe Beziehung zu IHM. Deshalb sagt Jesus den Pharisäern und Schriftgelehrten in Matthäus 15,7.8: "Ihr Heuchler! Treffend hat Jesaja über euch geweissagt, indem er spricht: 8 Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit entfernt von mir." (Zitat aus Jesaja 29,13).
"Ihr Herz ist weit entfernt von mir" - was ist das für ein erschütterndes Urteil! Die Pharisäer und Schriftgelehrten hatten ein immens grosses Wissen. Doch fehlte ihnen die Erkenntnis und die Herzens-Beziehung zu Gott. Sie hatten auch keine Erkenntnis über sich selbst. Ihr Herz war deshalb hart und ohne Liebe. Tragisch!
Die Pharisäer verachteten andere zutiefst und schauten auf sie herab. Sie waren überheblich und eingebildet. Sie wussten viel und sie meinten, sie wüssten es besser. Besser sogar als ihr Schöpfer, der in der Gestalt von Jesus Christus vor ihnen stand. Sie verurteilten ihn als Ketzer!
Jesus Christus sprach immer deutlicher mit den Pharisäern. Ihre Hartherzigkeit kritisierte er. Doch die Pharisäer liess das unbeeindruckt.
Für uns ist das eine Lehre! Wir Frommen können auch heute so hartherzig sein wie die Pharisäer damals. Sie hatten auch keine wirkliche Ehrfurcht vor Gott.
Mir wurde vor einiger Zeit mit nicht wenig Schrecken bewusst, dass wir Schweizer und wir Europäer beinahe jegliche Gottesfurcht und Ehrfurcht verloren haben! Fehlende Gottesfurcht tut nicht weh. Doch ist das - geistlich gesehen - immens gefährlich. Wir brauchen dringend Umkehr!
Frage an dich:
• Bist DU Gott begegnet?
• Oder weisst du bloss einiges über IHN?
• Hast du Gott erkannt?
• Hast du seine Heiligkeit und Kraft erlebt?
• Hast du seine Liebe und Gnade erlebt?
Wenn dein Herz erreicht wurde, denn wächst in dir eine dankbare, freudige Ehrfurcht vor Gott. Du schaust andere Menschen mit andern Augen an. In dir ist Wertschätzung, Verständnis und Gnade für deinen Nächsten - und du lebst das auch so.
Die Wahrheit erkennen:
Diese Thematik gehe ich an in einem Vortrag oder einer Predigt. Auch das Thema "Wahrheit als Person" (Johannes 14,6: "Ich bin die Wahrheit") ist ein Teil eines Vortrags, einer Predigt oder eines Seminars.
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